Reiseberichte von Hermann und Hans-Hubertus Braune

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Bewegung und Begegnung: Die via regia und Pilgern

     
 

Vor Jahrtausenden schon herrschte Bewegung und Begegnung auf der längsten und ältesten Landverbindung zwischen Osteuropa und Westeuropa, auf der so genannten via regia von Kiew/Ukraine bis nach Santiago de Compostella/Westspanien. Diese alte Verbindung führte über Hünfeld auch durch Osthessen.

Nicht nur Händler, Kriegsheere, Vagbundierende,edle Herren oder gemeine Dienstknechte zogen diesen Weg, sondern in hohem Maße auch Pilger. Sie pilgerten meist aus Buße oder für ihr Seelenheil oder wie heutzutage zur Selbstfindung. Pilger waren die ersten Fernreisenden.

Die gesamte Strecke ist mehrere tausend Kilometer lang und hat als Ziel das Grab des Apostels Jakob, daher der Name "Jakobsweg". Ein Teilstück davon ist der "Ökumenische Pilgerweg" von Görlitz zur ehem. Zonengrenze bei Vacha und anschließend weiter nach Hünfeld, Fulda... Dieses Wegstück erfreut sich übrigens großer Beliebtheit.

Auf der 3.Sächsischen Landesausstellung 2011 in Görlitz wird besonderes Augenmerk auf das Pilgern gelegt. In der Nikolaikirche gibt es bis zum 31.12.2011 eine Sonderausstellung hierzu. Man kann z.B. den Ur-Pilger mit seinem kilo-schweren Lodenumhang und auf dünnen Sandalen sehen, wie ebenso den hightech- Pilger von heute in seinen Funktionsklamotten. - Diese Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann gerne von Gemeinden, Institutionen udgl. angefordert werden, email: heiligesgrabgr@web.de

Die via regia wurde 2005 als Kulturstraßenprojekt des Europarates aufgenommen. Funde belegen, dass hier schon vor Chisti Geburt ein gewisser Austausch zwischen den Kulturen ablief.

Das Kulturstraßenprojekt soll bewusstseinsfördernd wirken auf die europäische Einheit und damit auch friedensfördernd sein. Motto Bewegen u n d Begegnen.

Bei all dem gibt es aber auch noch diese Gewissheit:

"Wir sind allhier in diesem Leben nur Gäste und Pilgersleute, die alle Stunden müssen warten, wenn sich dieses Leben endet." ( Jakob Böhme, erster deutscher Philosoph, ein Sohn der Stadt Görlitz)
 
 
   
  Blick vom Vorplatz Peter und Paul hinüber über die Neiße in den heute zu Polen gehörenden früher deutschen Ostteil von Görlitz, jetzt namens Zgorzelec. Von Osten kommend, überquerte die via regia hier seit jeher den Fluss. Die heutige Betonbrücke wurde erst vor wenigen Jahren wiedererrichtet. Hier beginnt der "Ökumenische Pilgerweg" als ein Teilstück des Gesamtweges nach Spanien. Und hier ist auch die Stelle, von der berichtet wird, dass anlässlich eines Besuches des polnischen Papstes vor einigen Jahren "drüben" bei seinen katholischen Landsleuten der polnische Bürgermeister spontan die überwiegend evangelische deutsche Seite zu einem Treffen auf der Brücke einlud. Der deutsche Kollege trieb in Eile 200 Görlitzer Leute auf, entgegen kamen ihnen auf der Brücke ca. 4500 polnische Nachbarn mit brennenden Kerzen in der Hand! Auf dem Bild sieht man an dem alten wuchtigen Getreidesilo das Werk eines wohl ukrainischen Künstlers, das er aus Freude über das wachsende Europa anbrachte. Gleich dahinter erkennt man die aktuelle Großbaustelle, bei der der alte "Postplatz" von Görlitz in deutsch-polnischer Gemeinschaftsleistung wiederersteht. Und zwar in seinen historischen Formen, aber mit modernen Baustoffen. Die sächsische Postsäule erstrahlt bereits wieder. Europa heute, wir wünschen auch morgen!  
  Im Nikolaiviertel, der Urzelle von Görlitz, findet man um die Nikolaikirche ein reizvolles Ensemble. Das ist das Nikolaitor, das Scharfrichterhaus, der alte Friedhof mit Schindanger und Pestacker, eine Anzahl von Grufthäusern (eine abendlich nächtliche Führung dort ist zu empfehlen) und historische Grabstätten -u.a. von Jakob Böhme, erster deutscher Philosoph-. Bis Ende Dezember 2011 findet in der nicht mehr sakral genutzten Kirche eine Sonderausstellung zum Thema Pilgerwesen statt. Man trifft auf den Urpilger und verschiedene neuere Varianten. Und man kann das Pilgern -entsprechend eingekleidet- selbst "anfühlen".  
     
   
     
   
     
   
  Pilgern "fühlen"  
     
   
     
  In der Nähe zur Nikolaikirche wird derzeit eine neue Pilgerherberge errichtet. Idealisten haben dafür einen Kreis gebildet, der das historische, aber zwischenzeitlich marode gewordene Hotel "Stadt Hamburg" zu einer einfachen, pilgergerechten Herberge ausbaut und sich gleichzeitig um das Pilgerwesen und um kulturelle Anliegen kümmert.  
     
   
  Originalstück via regia, hier beim "Bischof Benno-Haus" Schmochtitz, Teil von Bautzen/Sa., auch Pilger willkommen.  
     
   
  Eine der vielfältigen Herbergen unterwegs...  
     
   
     
  Eine Jakob-Figur in der Nähe von Hünfeld.