Reiseberichte von Hermann und Hans-Hubertus Braune

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  Hamburger Hafen vvvv Görlitzyyyy Pilgern via regia  
Auf ins Neisseland (Niederlausitz)

Mit den Wölfen heulen ist eine gängige Redensart. Diese sinnbildlichen Wölfe beißen nicht. Die Wölfe in dem nachfolgenden Beitrag leben hingegen wirklich. Angst vor ihnen braucht man trotzdem nicht zu haben. Sind sie doch quasi ein Aushängeschild für die in Aufschwung befindliche TOURISMUSREGION NEISSELAND. Diese umfasst die Lausitzer Teich- und Heidelandschaft im Raum südlich von Cottbus bis etwa Görlitz, also gelegen im äußersten Osten Deutschlands und bereichsweise verflochten mit dem Nachbarland Polen. Der Fluss Neiße stellt die heute praktisch unauffällige Grenze dar. Etwa 30 Exemplare des Isegrim leben im Raum, äußerst begünstigt durch weiträumige, teils ehemalige Truppenübungsplätze, nicht geliebt von jedermann, aber unter strengen Schutz gestellt. ("Menschen stehen nicht auf ihrem Speiseplan"). Sehen wird man die äußerst scheuen Tiere höchstens auf Abbildungen, im Gelände findet man bestenfalls ihre Fährtenabdrücke. Allein dies und der Mythos Wolf allgemein lockt immer mehr Gäste, sogar bis aus Kanada an.
 

Die Reise beginnt in der Neißestadt Görlitz. Hier treffen wir reihenweise imposante historische Gebäude, u.a. das Biblische Haus (Bild) an.
Nicht umsonst ist die Stadt Görlitz wegen der authentischen Kulissen neuerdings als Drehort für Film und TV sehr beliebt.
 
     
 
Herausragend ist das Heilige Grab. Um das Jahr 1490 mußte der spätere Görlitzer Bürgermeister Georg Emmerich wegen einer "Sünde" eine Pilgerfahrt nach Jerusalem machen. Das dortige Grab Jesu beeindruckte ihn so sehr, daß er in Görlitz einen fast maßstabsgetreuen Nachbau errichten ließ. Die Patrizierkassen waren gut gefüllt damals.

Die heutige Anlage ist aufwändig hergerichtet, incl. Ölberg.

Die Bilder zeigen das Salbhaus und die Grablege. Davor den Engel, der den Stein wegwälztte. "Was sucht ihr ihn bei den Toten...?"

Übrigens beginnt in Görlitz der "Ökomenische Pilgerweg" als Teilstück auf der uralten Straße via regia Kiew- La Compostella.
 
     
   
     
Auch heute gibt´s in Görlitz noch Engel. Wenn die an die Jugend süße Sachen verteilen.  
     
Die Neiße läßt sich hervorragend organisiert auch auf dem Wasser genießen.

Die Neiße als Grenze, die eigentlich keine mehr ist. Anlegen kann man auf polnischer oder auf deutscher Seite. Wie hier als Zuweg zur...
 
 
"Kulturinsel Einsiedel" bei Zentendorf. Dies ist mitten im Kiefernwald ein Abenteuerfreizeitpark mit Erlebnisgastronomie (no Coke, no Pommes, no Ketchup, aber dafür viele Leckereien einer bewussten Küche. Überraschen lassen!). Die mystischen Abenteuernächte mit Programm, im Baumhaus, im Zelt (man schlief darin besser als zuhause) oder im Erdhaus vergisst man nicht, besonders als Kind. Das Leben des "vor 1000 Jahren verschollenen Volkes von Turi Sedel" wird hier nachempfunden, mystisch, mysteriös, märchenmäßig. Mit viel Farbe und Holz sowie freilaufenden Tieren. Da grunzt schon mal ein Schwein oder ein Pfau kichert...  
 
 
 
Bei Rietschen, einem kleinen Ort an der Bahnstrecke Görlitz-Cottbus, stoßen wir auf eine Ansiedlung aus Schrotholzhäusern. Ähnlich wie Blockhäuser wurden diese Häuser vor etwa 300 Jahren aus besonders bearbeiteten Kiefernstämmen errichtet. Sie werden wohl noch weitere Jahrhunderte dichthalten. 18 solcher Gebäude stehen in der Siedlung Erlichthof, angeordnet zu einem Heidedorf wie es bei den Urahnen in der Region üblich war. Gerettet wurden die Häuser an anderer Stelle vor dem Braunkohletagebau. Heute haben verschiedene Handwerker hier ihre Existenz, die vorwiegend mit Tourismus zusammenhängt.  
 
Denn Besucher kommen auch wegen der Wolf-Dokumentationsstelle und einem historischen Bauernhof. Nicht zu verschweigen sind die vielfältigen Möglichkeiten für Kinder. - Es wurde übrigens erläutert, generell alle restaurierten oder neu errichteten Objekte nicht museal trocken stehen zu lassen, sondern sie mit Leben zu füllen. Die Einfälle hierzu sind erstaunlich.  
 
 
 
40 Hirsche, vom kapitalen Anführer bis zum Kälbchen erregen Aufsehen im Freizeit- und Campingpark Thräna in Hohendubrau. Über 25 ha erstrecken sich Wildgehege und Streichelecken eingebunden in Wald und Wiesen. Klein- und Großtiere, Freizeitspaß, Geselligkeit und ein überschaubares Campinggelände werden in familiärer Atmosphäre geboten.  
 
 
 
In der Ortschaft Schleife begegnen wir einer anderen Kultur, nämlich im "Sorbischen Kulturzentrum". Gerade lief ein Kurs im Bemalen der berühmten Ostereier, der jedermann offensteht.  
 
Die Königshainer Berge - immerhin bis auf 400 m NN ansteigend - bieten weitere Perlen im Landschaftsschutzgebiet. Schloss Königshain selbst - aus vergammeltem Zustand zu neuem Glanz renoviert - ist ein Ensemble aus Mittelalter, Renaissance und Barock. Ausstellungen der besonderen Art füllen hier wie auch sonst die Räume. - Aus den nahen Granitsteinbrüchen kam das Baumaterial nicht nur für den Berliner Reichstag oder das Olympiastadion. Granitmuseum und Lehrpfad erinnern daran. Ebenso ein Museumsbahnhof. Schloss Krobnitz - in der Nähe - steht für den "Wegbereiter des Deutschen Kaiserreiches" Albrecht Graf von Roon. Er war seit 1859 preußischer Kriegsminister und verhalf Otto v. Bismarck an die Macht. 1873 wurde v. Roon preußischer Ministerpräsident. Er verlebte seinen Ruhestand auf Krobnitz. Eine Ausstellung veranschaulicht heute eindrucksvoll die preußische Zeitgeschichte. Die genannten Einrichtungen sind mit einer großen Anzahl weiterer zusammengeschlossen im Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund.

Und alle Einrichtungen bieten lebendige Kultur in verschiedener Form. Häufig einschließlich guter Gastronomie.
 
 
 
 
 
 
 
 
Nochten. Gewaltige Dampfschwaden stehen über dem Kohlekraftwerk und gewaltig ist der Blick vom Aussichtsturm in die gähnende Tiefe der Tagebaue bis zum Horizont. Doch in der Gegenrichtung stehen wir inmitten einer ganz besonderen Kunstlandschaft, dem "Findlingspark Nochten". Auf 20 ha Fläche erleben wir wirkliche "Blühende Landschaften". 6000 teils riesige und abgerundete Felskörper (Findlinge), Zeugnisse der von Skandinavien vorgedrungenen Eiszeitgletscher wurden sinnreich platziert und durch farbenprächtige Blütenfelder verbunden. Allein 160 verschiedene Sorten Sommer- und Winterheide lassen sich bewundern. Ein Wüstenspielplatz lockt Kinder. Schlangen (aus Holz) ringeln sich und Palmen wiegen sich im Wind. Die Findlinge wurden und werden übrigens im Abraum der Kohletagebaue gefunden.  
 
 
 
Ein landschaftlich und kultureller Höhepunkt ist sicherlich Fürst Pückler und sein UNESCO-Weltkulturerbe-Park in Bad Muskau. Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) war als Schriftsteller, Reisender - bis bis in den Orient - und Landschaftsgärtner berühmt, aber gleichzeitig als Frauenheld, Dandy sowie Lebemann berüchtigt. Diese bunte Mischung sagt alles über das, was Schloss und Park uns heute zeigen. Bunt! Die Muskauer Waldeisenbahn (nur 60 cm Spurweite) mit einst 80 km Länge und existenzsichernd für Betriebe der Holzwirtschaft, die Ton- und Sandindustrie sowie den Kohlebergbau (weniger für Personenverkehr) ließ man zu DDR-Zeiten verrotten und schließlich demontieren. Heute haben Eisenbahnfreunde wieder 10 km in Betrieb genommen und so kann man nostalgisch, auf Wunsch bewirtet und touristisch betreut, vom Pückler-Park aus z.B. in den riesigen Rhododendronpark bei Kromlau zuckeln.  
 
 
 
 
 

 
 
Galant, galant. Fürst Pückler einst "in action".  
 
Soweit einige Appetithappen aus dem Neißeland.

Im Internet gibt es zu allen Punkten ausführliche Informationen.

Demnächst berichten wir von einer interessanten Reise nach Berlin. Bis dann!

Text und Fotos: Hermann Braune