Reiseberichte von Hermann und Hans-Hubertus Braune

Start Berlin yyy Indien yyy Neisseland yyy Süditalien yyy Berlin - Hamburg (Pilgern Bad Wilsnack) yyyy Impressum
  yyyy Pilgern via regia   

Die Jesusbäckerei von Görlitz

In der östlichsten (und "schönsten") Stadt Deutschlands, in Görlitz, gibt es eine Jesusbäckerei.
Wie kommt es zu diesem Namen?

Vor vielen hundert Jahren - um 1466 - kehrte der reiche Görlitzer Kaufmann und Bürgermeister Georg Emmerlich von einer Pilgerreise nach Jerusalem zurück. Die hatte er wegen eines "Fehltritts" absolvieren müssen.

Und in Jerusalem hatte es ihm die Grabeskirche so angetan, dass er sich die Baupläne beschaffte und dann in Görlitz zusammen mit anderen Wohlhabenden sowie mit Geldern aus Ablasshandel originalgetreu - damals weit draussen vor den Stadtmauern - das Heilige Grab nachbauen ließ. Es ist wohl bis heute die authentischste Anlage , auch, weil die umgebende Landschaft einbezogen ist, so das Kidruntal und der Ölberg.

Bis zur Zeit der Reformation um 1525 fanden Osterprozessionen statt. Sie begannen an der Görlitzer Peterskirche und führten entlang mehrerer "Stationen" bis zum Heiligen Grab. Ein noch sichtbarer Kreuzwegstab erinnert an diesen Brauch.

In heutiger Zeit führt die evangelische Innenstadtkirchengemeinde jeweils am Karfreitag ähnliche Prozessionen durch, als "Kreuzweg zur Nachfolge".

Hierfür wurde eine extra Kreuzweg-Liturgie erarbeitet, der Verfasser dieses Beitrages erhielt sie über www.offenekirchen@innenstadtgemeinde-goerlitz.info . Aus dem reichhaltigen Inhalt sollen nachfolgend nur mal die sieben "Stationen" mit kurzen Stichworten aufgereiht werden.

Das Kreuz gibt unsrem Weg den Namen.Als Zeichen des Glaubens in unseren Kirchen und auf den Kirchturmspitzen weist es unsere Gedanken zu Gott.

Für viele Menschen ist das Kreuz ein Schmuckzeichen.

Für Jesus und viele andere zu seiner Zeit war es das grausame Werkzeug eines qualvollen Foltertodes.

Auch heute schreien Menschen unter Folterqualen, schreien Menschen vor Hunger, schreien Menschen, weil sie von Geschossen zerfetzt sind.

Auf unserem Kreuzweg bedenken wir, dass das Kreuz auch ein Zeichen ist für die Leiden und Schmerzen, die Menschen einander bewusst zufügen.

1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt.

Vor dem Südportal der Peterskirche

Und die Hohenpriester und die Ältesten hetzten die Massen auf, den Tod Jesu zu verlangen. Da schrie die ganze Menge hasserfüllt: Kreuzige ihn, kreuzige ihn!

Aus Furcht vor ihnen fällt Pilatus schließlich das ungerechte Urteil.

Und Jesus schwieg dazu.

Wie schnell sind wir bereit, andere anzuklagen, andere zu verurteilen. Wir stempeln ab, wir grenzen aus, wir gehen auf Distanz. Und gerade damit bereiten wir den Boden für Steine, Prügel, Messer und Brandflaschen, für die Gewalt, die uns selbst erschreckt.

2.Station: Jesus nimmt sein Kreuz auf sich.

Am Westportal der Peterskirche

3.Station: Simon von Kyrene hilft Jesus, das Kreuz nachzutragen

Vor dem Nikolaiturm

Herr, deine Jünger haben dich das Kreuz allein tragen lassen. Als es um dich ernst wurde, verkrochen sie sich alle. Auch deine Kirche hat sich verkrochen in der Sorge um ihren Bestand, und sie ist oft unfähig, den Menschen aufzuhelfen, die heute unter der Last ihres Lebens zusammenbrechen. Wo sind wir, wenn wir nun wirklich das tun sollen, was wir dir gelobt haben, dir das Kreuz nachzutragen?....

4. Station:

Beim Jesusbäcker, Nikolaigraben 3.

Hinter dem uralten kleinen Bäckerladen mit einer historischen Stele am Eingang verbirgt sich heutzutage (ausserhalb) eine familiengeführte Großbäckerei mit mehreren Filialen. Die Traditionen aber werden fortgeführt.

"Tränenbrot" stärkt den Wanderer, den Mitwanderer. Diesen Brauch gab es seit jeher. Ein Salzbrötchen zeigt, das Leben muss nicht nur süß sein...

Gott, du speist dein Volk mit Tränenbrot und tränkst sie mit einem großen Krug voller Tränen.

Das Brot ist salzig, aber essbar.

Die kleine Wegzehrung lässt uns das Leiden schmecken,

aber sie gibt auch Kraft, auszuhalten.

Die Bitternis soll uns nicht überwältigen.

So nehmen wir und essen und gehen den Weg weiter.

5. Station: Jesus ermahnt die Frauen von Jerusalem

Ecke Obersteinweg, ein Kreuz

Am Kreuzweg stehen viele, die Jesus kennen, darunter auch Frauen, die beim Anblick des leidenden Herrn in Tränen ausbrechen. Jesus sieht bereits über seinen Kreuzweg hinweg, wenn er alles Mitleid abwehrt und in die Zukunft weist:

 

Weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und eure Kinder.

6. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Vor der Stützmauer zum Hl. Grab.

Herr, du hast es zugelassen, dass die Gestalt deines Sohnes von der Krippe an bis hin zum Kreuz allen Ansehens entkleidet wurde.Du weißt, wie anfällig wir sind für die Versuchung, uns vor Macht, vor Ansehen, vor Reichtum zu beugen...Stärke unseren Glauben, damit wir in dir unseren Halt finden, wenn uns alles genommen wird, worauf wir gebaut hatten und wovon wir zu leben meinten...

7. Station: Jesus stirbt am Kreuz

Vor der Golgathakapelle.

....Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür, wenn mir am allerärgsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.....

 

Es wird empfohlen, den Heimweg in aller Stille und Nachdenklichkeit anzutreten.

(Bericht und Fotos: Hermann Braune, Niederaula)

 

 
   
 
An der gewaltigen Kirche St. Peter und Paul beginnt der Kreuzweg.  
 
   
 
   
Eine weitere Station ist die Jesusbäckerei, vor der es zeitweise durchaus turbulent zugeht.
 
   
 
bis zum Heiligen Grab, der letzten Station.