Reiseberichte von Hermann und Hans-Hubertus Braune

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  Hamburger Hafenyyyy Pilgern via regia  

Der Pilgerweg zum Wunderblut von Wilsnack

Erinnerungen an Gestern, Blicke auf Heute - entlang der alten Poststraße von Berlin nach Hamburg


Bad Wilsnack liegt im Bundesland Brandenburg, etwa auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg. Die Stadt besitzt - wie wenige andere - mehrere Naturheilmittel gleichzeitig: Moor und Thermalsole sowie eine Saline. Und rundum ausgedehnte Kiefernwälder. In der Zeit von 1383 bis 1552 aber hatte Wilsnack eine ganz andere Bedeutung. Es war eine der wichtigsten Wallfahrtsstätten in Europa. Schuld daran hatten drei geweihte Hostien, die beim Aufräumen des Kirchenschutts nach einem Großbrand unversehrt und - o Wunder - blutbefleckt geborgen wurden. Weitere Wunder schlossen sich an und die Wallfahrt kam in Gang, mit vielen Vorteilen für alle Beteiligten. Die Reformation beendete das Geschäft.

In neuerer Zeit jedoch - noch während der DDR - begannen Interessierte, die sichtbaren Spuren und die geistigen Hinterlassenschaften der Wunderblutpilger zu erforschen und wieder erlebbar zu machen. Von Berlin -Spandau ging die Poststraße aus, auf der einst Briefe und Passagiere nach Hamburg kutschiert wurden. Damals gab es nur sehr wenige überörtliche Straßen und deshalb nutzten auch die Wallfahrer den "Postweg". Wir folgen sowohl den Spuren der Wallfahrer als auch denen der Postwagen und sehen, was ist geblieben und was spricht uns heute besonders an. Nachstehend eine Auswahl an Bildern und Ansichten, punktuell und gerafft mit der Absicht, "Appetit" zu machen.

Im Märkischen Museum zu Berlin beginnt eigentlich der 130 km lange Weg neben der mächtigen Wilsnacker Glocke von 1471. Er steht gleich nebenan, unverzichtbar in diesem Zusammenhang: Theodor Fontane, 1819 geboren und die "beschreibende Seele" der Mark schlechthin. Er wird uns beim Wandern begleiten.


Detaillierte Wegbeschreibungen im Buchhandel erhältlich.


Ein Tagesmarsch mindestens wäre nötig durchs Stadtgewirr, ehe freie Sicht gewonnen wäre. Deshalb beginnt die Markierung (drei "rote Blutstropfen") heutzutage beim S-Bahnhof Hennigsdorf am nordwestl. Stadtrand.

 
   
   
   

Station Bötzow. Ein originaler Postillon erklärt uns die Bedeutung der Steine für ganze, halbe, viertel Meilen (1 Meile ca. 7,4 km). Eine Forschungsgruppe bemüht sich um die Erhaltung und Ergänzung dieser Zeugen der Verkehrsgeschichte (www.forschungsgruppe-meilensteine.de). - In der Bötzower Kirche fand man 1706 einen Splitter vom Kreuz Christi. - Übrigens: -ow als Ortsendung deutet auf slawische Siedler hin.

 
 
Der Ort Linum - wie auch anderenorts - mit weitem Dorfanger und mit vielen Storchennestern. Von Linum aus begann 1672 die Schlacht von Fehrbellin (bis 1679), bei der die Schweden, auch mit Hilfe eines Hessen, geschlagen wurden und Brandenburg damit frei wurde und sich entwickeln konnte. Zwei Denkmale an der Poststraße deuten noch darauf hin und eine Allee aus Ahorn und Linden markiert den Frontverlauf. Luise Hensel, Linumer Pastorentochter (1798-1876) war religiös-dichterisch veranlagt, sie dichtete z.B. "Müde bin ich, geh zur Ruh'…" und sie gilt als Wegbereiterin einer damals neuen Sozialarbeit. Noch anderes hat die Gegend. 86.000 Kraniche, die jährlich hier zwischenlanden und die zu gewissen Problemen führen. Übrigens hat ihr teils verändertes Verhalten wohl auch mit dem Klimawandel zu tun.


 
 
   
 

"Ganz in Weiß". Blühende Obstalleen begleiten die noch unbegradigten Pflasterstraßen.

 

 

 

 

 

 

Im Gut Vischel / Rohrlack begrüßen uns sehr aufgeschlossen die "westlichen" neuen Eigentümer. Sie richten mit fühlbarem Engagement den Gutsherrensitz einst derer von Quast wieder her, und zwar für musische, kulturelle sowie soziale Zwecke. "Gestaltungsräume gibt es in Massen" sagte man uns. Vieles wird auch umgesetzt, Bioprodukte, Pferdehaltung, Gesundheitsangebote… Und Sympathien für den Pilgerweg. Uns beeindruckten die aufgeschlossenen Menschen.

 
 
"Unsere Kirche muss im Dorf bleiben" verkündet ein Transparent an einer in Sanierung befindlichen Kirche. Es ist symptomatisch: Die Bewohner der Dörfer sind zwar meist Atheisten, an ihrer Dorfkirche arbeiten sie aber mit, weil sie ihren Kirchturm als Identifikationsmerkmal ansehen, als Heimat, die sie bewahren wollen.  
 
 
 

 

 

Schnurgerade, eben durch weite Ackerflächen führen die drei roten Tropfen weiter. Die Wege sind durchweg unbefestigt und ideal zum Wandern. Die "weiten Ackerflächen" werden zunehmend für den Anbau von Mais und Raps genutzt, um damit Biogasanlagen zu betreiben. Ob derartige Monokulturen der Natur guttun?

 

 

 

Barsikow ist erreicht. Die dortige frühere LPG beschäftigte einst 450 Menschen, im heutigen Nachfolgeunternehmen finden gerade noch 40 Personen Arbeit. Dank rasanter Technik. Folge: die Einwohnerzahl des Dorfes sank von 400 auf 200. Typisch für die Region und auch die Städte. Positiv: in der Barsikower Kirche wird man eine Pilgerherberge einrichten, in Eigenleistung.

 
 
Wusterhausen, die Stadt mit der riesigen Kirche Peter und Paul im gotischen Stil. Schon Fontane war verwundert. Der Reichtum basierte auf dem früher vorhandenen Hafen und dem Salzhandel.  
 
"Die sieben Schmerzen der Maria." Früher steckten in den Löchern am Herzen sieben Schwerter.  
 
Maria mit dem zwölfjährigen Jesus. Dieser hält ein Buch im Arm, Zeichen seiner Intelligenz. Sehr seltene Darstellung.  
 
In Kyritz - weitere Station - werden die Überreste eines Franziskanerklosters wieder mit Leben erfüllt. Im Klostergarten treten die "Knattermimen" auf, ca. 80 Laienschauspieler, die auch Werke der Weltliteratur vor stets ausverkauftem "Garten" (ca. 250 Plätze) aufführen.  
 

Die Plattenburg kurz vor Bad Wilsnack erscheint als 1147 von den Wenden errichteter Backsteinbau, größte Burg Brandenburgs.

 

 

 

 

Im schnuckeligen "Schweizerhaus" ruhen die Pilger aus.

 
 

Im Bad Wilsnacker Kurpark baut uns ein kredenztes "Moorwasser" auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

































In der Wunderblutkirche St. Nicolai werden wir angesichts vieler Figuren, Bildnisse und Baulichkeiten in die Wunderwelt von einst eingewiesen. Wunder? Gibt's nicht, gab's nicht? Wer glaubt, wird innerlich reicher und das wiegt viel.

 
   
 
   
 
Zum Abschluss gibt's noch ein pilgergemäßes Essen: Pellkartoffeln mit Kräuterquark und Leinöl.  
   
     
Text u. Fotos: Hermann Braune Zu allen besuchten Stationen gibt es ausführliche Infos im Internet. (Text und Fotos sind urheberrechtlich geschüzt!)
 
 
Demnächst besuchen wir den Endpunkt der Alten Poststraße: Hamburg.